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Tagungsbericht zur Konferenz Diversity in Cognition

Mit der Tagung „Diversity in Cognition“, die die AG Diversitätsstudien vom 5. bis zum 7. Februar 2020 im Dortmunder U veranstaltet hat, ist der Auftakt gelungen: Die Konferenz war die erste einer geplanten Konferenzreihe, die interdisziplinäre und multimodale Zugänge für die kultur- und sprachwissenschaftlichen "Diversity Studies" entwickeln wird. Bei dieser ersten Konferenz, die das Team von Prof. Dr. Barbara Mertins federführend vorbereitet hat, lag das Erkenntnisinteresse auf dem Zusammenhang von Diversität und Kognition.

 

Unter dem Fokus der Diversität kognitiver Prozesse stellte die Tagung vielfältige Brückenschläge zwischen den verschiedenen Disziplinen und deren Forschungsmethoden her, die in der Arbeitsgruppe Diversitätsstudien vertreten sind: Linguistik, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft und Didaktik. Die drei Konferenztage waren gefüllt mit einem intensiven Austausch und Diskussionen, in welchen empirische, qualitative und ästhetische bzw. hermeneutische Forschung in einen interdisziplinären Dialog treten konnten. Aufgrund des internationalen Publikums und der eingeladenen Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Ländern fand die Tagung hauptsächlich auf Englisch statt.

Nach Prof. Dr. Barbara Mertins herzlicher Begrüßung eröffneten Grußworte von Prof. Dr. Barbara Welzel, Prorektorin Diversitätsmanagement, und Prof. Dr. Gerold Sedlmayr, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften der TU Dortmund, die Konferenz.

 

Professorin Barbara Welzel, Prorektorin Diversitätsmanagement steht am  Pult und hebt die Hand.Professor Gerold Sedlmayr, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften der  TU Dortmund, steht am Redepult.

Professorin Barbara Welzel, Prorektorin Diversitätsmanagement                    Professor Gerold Sedlmayr, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften der
                                                                                                                          TU Dortmund
 

Anschließend leitete die Sprecherin der AG Diversitätsstudien, Prof. Dr. Sigrid Nieberle, in die inhaltliche Auseinandersetzung der Tagung ein und übergab für den Eröffnungvortrag das Wort an Prof. Dr. Andrea Bührmann, Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Chancengleichheit der Universität Göttingen und Leiterin und Mitgründerin des dortigen Instituts für Diversitätsforschung. In ihrer Keynote über Möglichkeiten und Potentiale gegenwärtiger Diversity Studies zeigte die Professorin für Sozialwissenschaften auf, dass ein "reflexive diversity approach" – also eine (selbst-)reflexive Diversitätsforschung – es ermöglicht, Diversität sowohl als gesellschaftliches Phänomen und in Bezug auf ihre sozialen Funktionen zu erforschen, als auch kritisch-emanzipative Diversitätspotentiale zu erschließen. Dieser (selbst-)reflektierte Gestus der Keynote legte ein methodologisches Fundament für die Diskussionen der beiden folgenden Konferenztage.

Professorin Sigrid Nieberle, Sprecherin der Arbeitsgruppe  DIversitätsstudien steht am Redepult.Professorin Andrea Bührmann, Vizepräsidentin für Lehre, Studium un

Professorin Sigrid Nieberle, Sprecherin der Arbeitsgruppe                              Professorin Andrea Bührmann, Vizepräsidentin für Lehre, Studium und
DIversitätsstudien                                                                                             Chancengleichheit der Universität Göttingen

 

Die beiden anschließenden Konferenztage waren in jeweils zwei Panels gegliedert: Der Donnerstag startete mit einer Keynote einer der weltweit einflussreichsten Psycholinguisten, Prof. John Lucy von der University of Chicago. Er widmete sich in seinem Vortrag der Frage, inwieweit Sprache beeinflusst, wie Sprecher*innen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften wahrnehmen und denken und inwieweit unterschiedliche Sprachen differente mentale Kognitionen hervorrufen.

Im anschließenden Panel zum Zusammenhang von Kognition und Psycholinguistik (Cognition and Psycholinguistics) ergänzten und vertieften die Vortragenden Carla Simoncelli von der Universität Nanterre, Dr. Giorgios P. Giorgiou von der Moskauer RUDN Universität und Dr. Kyoko Aizaki (Lancaster University) die von John Lucy aufgeworfenen Fragen zur Vielfalt sprachlicher Kognitionen. Ergänzt wurde das Panel von einer Präsentation von Renate Delucchi-Danhier aus der AG Diversitätsstudien, in der sie die Ergebnisse einer im Vorfeld der Tagung durchgeführten empirischen Studie visualisierte. In einer eigens für die Tagung designte Studie versuchte Delucchi-Danhier Antworten Frage zu finden, wie divers das Feld der Konferenzteilnehmer*innen ist und wie sich intra- und interpersonelle Diversitätsaspekte in Graphiken visualisieren lassen.

 

Auf dem Foto sieht man einen voll besetzten Konferenzraum.Professor John Lucy steht am Redepult. Hinter ihm ist eine  Powerpointpräsentation auf die Wand projiziert.Doktor Renate Delucchi steht lächelnd am Redepult.

Konferenzraum der Konfernz Diversity in Cognition                                     Professor John Lucy                                                                                     Doktor Renate Delucchi
                                                                                                                      

 

Das Nachmittagspanel zum Thema Cognition and Language knüpfte an die vorherigen Vorträge und Diskussionen an. Auch dieses Panel wurde von einer Keynote lecture eröffnet, in der Christopher J. Hall, Professor für Angewandte Linguistik von der York St. John University, Englisch als Lingua Franca in ihrer sprachlichen Diversität aus kognitionswissenschaftlicher Sicht beleuchtete.

Die Fäden, die Hall dort entwickelte, wurden in den folgenden Vorträgen des Panels – Paula Weber und Fabian Esleben (AG Diversitätsstudien, TU Dortmund) sowie Basri Saliu von Southeast European University in Tetovo, Mazedonien – aufgenommen und vor allen Dingen in Richtung englischdidaktischer Fragestellungen weitergesponnen. Eine Abschlussdiskussion mit den beiden Keynote-Speakern John Lucy und Christopher Hall sowie den beiden Moderatorinnen der Panels, Barbara Mertins und Susanne Ehrenreich auf dem Podium, ergänzt von zahlreichen Diskussionsbeiträgen von den anderen Tagungsteilnehmer*innen, führte die in den Vorträgen angestoßenen Fragen und Perspektiven in einem gemeinsamen Gespräch zusammen.

 

Auf dem Bild sieht man Professor John Lucy und Professor Christopher  Hall im Gespräch.

Professor John Lucy und Professor Christopher Hall

 

Am Freitag (7. Februar 2020) lag der Fokus auf einer kulturwissenschaftlichen Perspektive der vielfältigen Intersektionen zwischen Diversität und Kognition: Cognition and Media am Vormittag, Cognition and Literature am Nachmittag.

Den Aufschlag zum Vormittagspanel machte Prof. Dr. Matthias Rath (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) mit einem Input-Vortrag. Am Beispiel der Kategorie Gender zeigte Rath die grundsätzliche Konstruiertheit und sprachliche Verfasstheit aller Wissens- und Identitätskategorien auf, die eine epistemologische Basis für die kultur- und medienwissenschaftliche Diversitätsforschung darstellt. Diesem Inputtalk folgten ein Vortrag von Dr. Gen Eickers (HU Berlin/PH Ludwigsburg), einer gemeinsamen Präsentation von Hanna Höfer-Lück und Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke (AG Diversitätsstudien, TU Dortmund) und einem das Panel abschließenden Vortrag von Prof. Dr. Hendrik Trescher (Universität Marburg). Die Panelist*innen befasten sich in den verschiedenen Vorträgen mit Fragen medialer Repräsentation von Minoritäten und deren kognitiven Voraussetzungen (Eickers und Marci-Boehncke/Höfer-Lück) sowie der Frage, inwieweit ‚Leichte Sprache‘, die dazu entwickelt wurde, Menschen mit Behinderung gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, tatsächlich ein emanzipatorisches Medium sei oder vielmehr bestehende gesellschaftliche Differenzen von Menschen mit und ohne kognitive Einschränkungen in der Sprache verfestige und damit ihr emanzipatorisches Anliegen verfehle.

 

Professor Matthias Rath steht am Redepult und hält ein grünes Mikofon in  Würfelform in der Hand.

Professor Matthias Rath

 

Das vierte Panel der Tagung zum Thema Cognition and Literature wurde von einem Input-Talk von Dr. Innokentij Kreknin und Dr. Linda Leskau eröffnet. In ihrer Präsentation stellten sie grundsätzliche Überlegungen zu Forschung, die Literatur, Diversität und Kognition gleichermaßen in den Blick nimmt, an. Dabei warfen sie zu Beginn einen Blick auf wissenschaftshistorische und gegenwärtige Anknüpfungspunkte für eine solche multiperspektivische Forschung und schlossen ihren Inputtalk mit einem Plädoyer für eine vertiefende interdisziplinäre Forschung in den genannten Feldern. Die Vortragenden des Abschlusspanels lieferten einerseits beispielhafte Analysen, die die im Inputtalk angeschnittenen Fragestellungen veranschaulichten - so beispielsweise Dr. Silvia Blum (TU Dortmund) in Ihrem Vortrag, der ausgewählte Texte von Gegenwartsautorinnen aus der Perspektive kognitiver Rezeptionsprozesse untersuchte. Andererseits gaben die beiden folgenden Vorträge des Panels von Prof. Dr. Christian Sinn (Pädagogische Hochschule St. Gallen) sowie Dr. Ina Henke und Dr. Constanze Bartsch (Universität Münster) Einblicke in diversitätssensible literaturdidaktische Fragestellungen.

 

Auf dem Bild sieht man einen hell erleuchteten, voll besetzten  Konferenzraum.Das Bild zeigt einige sitzende Zuhörer und Zuhörerinnen der Konferenz.

                    

In einem Wrap-Up zum Abschluss der Konferenz lud Prof. Dr. Sigrid Nieberle alle Vortragenden und Tagungsteilnehmer*innen ein, gemeinsam einen Schritt zurückzutreten und erneut die ‚große‘ Frage der Tagung, also den Zusammenhang von Diversität und Kognition, zu betrachten. Dabei wurde der Bogen zu den einzelnen Panels und den dort verhandelten Einzelaspekten zurückgeschlagen, Perspektiven und neue Inspirationsquellen für die individuellen Forschungsprojekte durch alle akademischen ‚Lebensalter‘ hindurch geteilt und die Diversität der verschiedenen Perspektiven hervorgehoben: gelebte Diversity in Cognition.

 

 

Alle Fotos von Roland Baege